18.2.2026
YPMA-Spotlight 2026: Holger Geißler im Interview über Überlebensstrategien

Holger Geißler, Geschäftsführer und Mitgründer des Smart News Fachverlages, stellte bei der Young Professionals' Media Academy (YPMA) sein Unternehmen vor und wie dieses in die Zukunft blickt. Im Kurzinterview gibt er nochmal einen kurzen Einblick.
Herr Geißler, Sie haben Ihren Vortrag bei der diesjährigen Young Professionals' Media Academy mit “Die Überlebensstrategie des Smart News Fachverlags” betitelt. Warum nicht “Zukunftsstrategie”, was war die Motivation?
Ja, letztendlich habe ich das Gefühl, dass es in den letzten fünf Jahren tatsächlich viel ums Überleben ging. Das ist natürlich auch mit der Zukunft eng verknüpft, aber eigentlich passt es besser, weil wir als Verlag immer wieder reagieren müssen. Was passiert in der Technologie, was passiert in der Welt, am Markt? Das hat viel damit zu tun, dass man eben wie bei so einem Überlebensszenario immer wieder schaut: Was kann ich mit dem machen, was da ist? Wie kann ich darauf reagieren? Und was mache ich als nächstes? Und das ist eben der Unterschied zu einer Zukunftsstrategie, die klassischerweise einen Fünfjahresplan hat.
Was würden Sie im Moment als die größte Herausforderung sehen, um zu überleben? Wie reagieren Sie?
Also, ich würde mich sehr freuen, wenn die deutsche Wirtschaft insgesamt wieder anzieht. Ich finde das schwierig, weil unsere Branchen, die ja auch Dienstleisterbranchen sind, sehr stark an der Konjunkturentwicklung hängen. Wenn zum Beispiel das Konjunkturpaket richtig in den Start kommt, dann werden wir das merken. Für uns wäre es hilfreich, wenn Firmen wieder Menschen einstellen würden, dann würde der Stellenmarkt besser laufen. Es ist schon die allgemeine wirtschaftliche Lage. Perspektivisch, auf einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren betrachtet, ist KI das Thema. Wie kann ich KI nutzen, um neue Produkte zu entwickeln, die die Nutzenden der Zukunft dann brauchen? Ich glaube, dass das, was wir heute machen, nur in Teilen überlebensfähig ist. Wir müssen schauen, dass wir unser Produkt auch an die zukünftigen Nutzergenerationen anpassen.
Sie haben als Digitalverlag mit Webseiten angefangen, das weiterentwickelt und sind dann eine größere Beteiligung eingegangen. Was war die Motivation?
Unsere größte Beteiligung ist die Beteiligung an der Succeet, das ist die Branchenmesse der Marktforschung. Die fanden wir immer schon gut und spannend. Da hat sich tatsächlich in der Corona-Zeit ein sogenanntes Window of Opportunity ergeben, weil eine Messe idealerweise eng mit einem Medium zusammenarbeitet. Wir konnten uns daran beteiligen, um die Messe größer als vor Corona zu machen. Das hat geklappt. Für uns ist das eine kongeniale Verlängerung unserer Wertschöpfungskette. Wir haben die Leser und damit auch die Besuchenden bei uns auf dem Portal.
Beobachten Sie in den zurückliegenden Jahren wieder ein stärkeres Bedürfnis, sich wieder in Präsenz zu treffen?
Also, nicht mehr so oft wie in der Vergangenheit. Ich glaube aber, dass Leuchtturm-Events wichtig bleiben werden. Es ist wichtig, das bedeutendste oder das größte Event in der Branche zu sein. Und dann ist das Bedürfnis sich zu treffen auch groß. Es ist nicht mehr so wie früher, wo man ständig rumgereist ist. Was auch gut funktioniert, sind Regionalabende, wo man sich in Köln, Düsseldorf oder Frankfurt trifft. Das ist für die Menschen weniger aufwändig. Aber mal für eine Tageskonferenz nach Hamburg fahren, das wird seltener. Tatsächlich würde ich mir in diesem Kontext auch wünschen, dass die Bahn ein bisschen zuverlässiger fährt, das hindert die Menschen am Reisen.
Der Smart News Fachverlag ist ein eher kleiner Fachverlag mit 13 Mitarbeitern. Was ist das Geheimnis, um mit dieser Mannschaftsstärke erfolgreich zu sein?
Für uns ist das oberste Kriterium mittlerweile die Teampassung. Passt jemand ins Team? Klar, der oder die muss seinen Job gut machen, sonst hilft es uns auch nicht weiter. Aber wenn ich mich entscheiden müsste zwischen einem Bewerbenden, der einen super Job macht, bei dem ich aber Schwierigkeiten im Team sehe, und einem Bewerbenden, der seinen Job gut macht und gut ins Team passt, dann würde ich mich für Letzteren entscheiden. Es lohnt sich in jedem Fall in die Passung zu investieren, weil Fehlbesetzungen hohe Kosten verursachen. Wir haben auch schon Erfahrungen mit Kollegen gemacht, bei denen es schwierig war. Das sind dann Effekte für das Team, die will keiner haben.
Wie blicken Sie in die Zukunft?
Grundsätzlich bin ich Optimist. Ich glaube daran, dass wir Lösungen finden, aber es wird herausfordernd bleiben. Ich bin überzeugt, dass wir in fünf Jahren als Verlag noch existieren, was auch immer wir dann machen werden und in welchen Branchen wir aktiv sind.
Die Fragen stellte Bernd Adam, Geschäftsführer bei der Deutschen Fachpresse.

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