Young Professionals' Media Academy 2020

Mitarbeitende und Kunden im Fokus

Ein Überblick über die Akteure im Fachmedienmarkt, neue Geschäftsfelder, Marketing- und Social-Media-Strategien sowie die Nutzung von neuen Technologien und künstlicher Intelligenz für neue Produkte – all das stand auf dem Programm der diesjährigen Young Professionals‘ Media Academy (YPMA). Dabei zeigte sich in den Vorträgen, Workshops und Nachfragen der Teilnehmenden vor allem eines: Die mit der Digitalisierung einhergehenden Innovationen erfordern auch Veränderungen in der Organisation der Fachmedienhäuser sowie eine noch stärkere Fokussierung auf den B2B-Kunden.

»Ich bin fest davon überzeugt, dass es Print immer geben wird«, sagte Beate Gerold, Mitglied der Geschäftsleitung Heise Medien, direkt zu Beginn Ihres Vortrags. Doch der Titel im Programm verriet es bereits: Das Medienhaus nutzt die Digitalisierung dennoch als Motor für die eigene Weiterentwicklung. Eine große Veränderung: das vor rund einem Jahr eingeführte Bezahl-Abo »heise+«, eine Magazin-übergreifende Flatrate mit digitalem Zugang zu allen Aboprodukten. »Die Einführung war mit vielen Ängsten verbunden«, sagte Gerold. Befürchtet wurde vor allem ein möglicher Kannibalisierungseffekt auf die Printtitel. »Das war aber nicht der Fall. Wir haben Kunden gewonnen, die wir sonst nicht erreicht hätten.« Zu den Weiterentwicklungen bei Heise gehören auch Videotutorials und Webinare. Neue Wege zu gehen, sei oft mit Angst verbunden, aber man müsse sie erkennen und trotzdem gehen. Dafür sei aber auch Arbeit an anderer Stelle wichtig. »Zu den Herausforderungen gehören auch weiche Themen wie Unternehmenskultur, nicht nur Investitionen«, betonte Gerold. Mitarbeitende müssten zudem ein gewisses Skillset mitbringen. »Bei uns arbeiten viele – wie manche sagen würden – Nerds, aber auch sie müssen kommunikativ sein.«

Eine neue Unternehmenskultur ist auch zentraler Punkt bei der Vogel Communications Group (VCG). Mit einem global ausgerichteten Kommunikationsbudget und neuen Formaten änderten sich die Anforderungen der Kunden, außerdem lagern immer mehr Unternehmen ihre B2B-Kommunikation an externe Dienstleister aus. Auch deshalb richtete VCG sich neu aus und transformierte sich von einem Fachverlag zu einem Kommunikationsdienstleister, inklusive Agenturleistungen. »Unser Pluspunkt: Wir sind Branchen- und Kommunikationsexperten«, sagte Chief Corporate Development Officer Stefan Eiselein. Die Transformation bedeutete zugleich eine neue Organisation und eine Unternehmenskultur, die den Beschäftigten aktiv kommuniziert werden sollte. So wurden beispielsweise die Aufgabenbereiche »Laufender Betrieb« und »Innovationsentwicklung« getrennt. Nur so gebe es den notwendigen Freiraum.

Effizienz schaffen – für Kunden und Mitarbeiter

Auch in den beiden Workshops der YPMA ging es darum, zu erkennen, was der Kunde genau will und die Mitarbeitenden aktiv mit auf den Weg durch die veränderten Anforderungen zu nehmen. »Für mich ist Digitalisierung ein Hilfsmittel, um Wege besser und effizienter zu machen«, sagte Stefan Theiß, Geschäftsführender Lotse bei Digital Mindset. »Ich bin ein Disruptor. David gegen Goliath. Ich bin lieber David.« Warum? Wer ganz neue Wege gehe und Ideen ausprobiere, könne sich im Grund nicht selbst schaden oder Kunden verlieren, weil in diesem Bereich noch keine Kunden vorhanden seien. Auch in seinen Augen beinhalte die Arbeit jedoch mehr, als nur neue Produkte zu entwickeln. Digitalisierung und eigene Disruption bedeuteten auch Veränderung für das Team. Ein entsprechendes digitales Mindset müsse entwickelt werden.

Wie agile Methoden dazu beitragen könnten vermittelte wiederum Dr. Marco Olavarria, Geschäftsführer Berlin Consulting. Er erläuterte die wesentlichen Merkmale agiler Methoden sowie die Einsatzmöglichkeiten verschiedener Modelle wie beispielsweise Scrum. Trotz hohem Kommunikationsanteil betonte er aber auch: »Agilität ist kein Kuschelkurs, es geht um Leistung. Agilität will Verschwendung minimieren«. Im Anschluss konnten die Young Professionals‘ selbst agil aktiv werden.

Sich für neue Kunden öffnen

Einen neuen Weg stellte auch Oliver Detje, Verlagsleiter DVV Media Group, vor. Er zeigte auf, wie durch Corporate Services neue Kunden gewonnen werden können. Neben neuen Formatideen und Kommunikationsprodukten könnten Fachmedien hier ihre Stärke, nämlich ihren zielrelevanten Content, einbringen. »Es gibt Themen, die über Branchen und Berufssparten hinweg spannend und relevant sind«, erklärte Detje. Zum Beispiel Mobilität. Mit relevanten Themen könnten auch Kunden gewonnen werden, die eigentlich nicht zum klassischen Kundenstamm des Hauses gehören. In seinem Beispiel war das die Hamburger Sparkasse.

»Let’s Reduce Complexity« ist das Motto von Julia Köberlein und dem von ihr mitgegründetem Start-up Kontextlab. Mit seinen digitalen Wissenslandkarten kann es extrem komplizierte Zusammenhänge und Inhalte visualisieren und so den Zugang dazu vereinfachen. Aufwändig sieht das aus, die Grundstruktur und viele Inhalte sind zu erstellen, zu sortieren und zuzuordnen. Zurecht interessierten sich die YPMA-Teilnehmenden in ihren Rückfragen auch für die Organisation des Teams. Wie viele Arbeiten daran? Wie lange dauert es? Neben der eigenen Publikation »Der Kontext« basiert das Geschäftsmodell jedoch vor allem auf dem Kontext-Web-CMS, das Dritte kaufen können. Zahlreiche Kunden wie die Vereinten Nationen oder auch der Georg Thieme Verlag zeigen bereits, dass diese neue Form von Wissensvermittlung ankommt.

Impressionen von der YPMA 2020

Alle Fotos: (c) Fernando Baptista