Fachverlage sind Wissensdienstleister
Neue Wege der Produktentwicklung, die Markenführung und die Einbindung der Kunden in den Entwicklungsprozess waren Schwerpunkte des Panels, das die Deutsche Fachpresse bei den VDZ Zeitschriftentagen 2009 gestaltete. Geschäftsführer Bernd Adam moderierte die Runde.
Der Kunde im Fokus
„Leser und Nutzer wollen heute jederzeit, von jedem Ort aus und über jeden Kanal auf die Informationen und Dienstleistungen eines Fachverlags zugreifen können“, sagte Dr. Marco Olavarria (Kirchner + Robrecht Management Consultants) in seinem Einführungsvortrag. „Sie erwarten, dass die Informationen und Dienstleistungen ihre individuellen Bedürfnisse in konkreten Arbeitssituationen befriedigen“. Auf diese veränderten Erwartungen müssten Verlage reagieren. Daher solle sich der Fachverlag von morgen als Wissensdienstleister verstehen und integrierte Lösungen anbieten, das heißt umfassende Lösungspakete für Leser und Kunden, die die Arbeits- und Kommunikationsprozesse direkt unterstützen. So lautet eines der Ergebnisse der Studie „Produktentwicklung innovativ – mit Kunden neue Wege gehen“, die Olavarria derzeit gemeinsam mit der Deutschen Fachpresse durchführt.
Zentral oder Dezentral - Produktentwicklung heute
Wie Produktentwicklung bei Fachverlagen heute funktioniert, erläuterten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Markus Gotta, Bereichsgeschäftsführer Deutscher Fachverlag, Claudia Michalski, Geschäftsführerin Beuth Verlag, und Detlef Koenig, Verlagsleiter VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft. Im Deutschen Fachverlag sei die Produktentwicklung dezentral organisiert und erfolge aus den einzelnen Linien heraus, erklärte Gotta. Im Onlinebereich habe der Verlag zusätzlich einen so genannten Onlinebeauftragten, der Online- und Social Media-Trends aufspüre und bei der Entwicklung von Konzepten eingebunden werde. Der Beuth Verlag setzt wiederum auf ein zentral organisiertes Produktmanagement mit verschiedenen Produktmanagern für verschiedene Fachbereiche sowie auf Fokusgruppen mit den Kunden, berichtete Michalski. Außerdem habe man das Qualitätsmanagement erst kürzlich verbessert und Produktentwicklungsprozesse für die Mitarbeiter dokumentiert. Damit sei festgelegt, wer welche Informationen an wen kommunizieren muss.
Die Gefahr, dass Synergien im Unternehmen ungenutzt bleiben und dieselbe Idee intern zur gleichen Zeit von mehreren Seiten verfolgt werde, schätzte Koenig als gering ein. In seinem Verlag orientiere man sich unter anderem auch an Amerika. So haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, einmal im Jahr in die USA zu reisen und sich dort neue Ideen und Inspirationen zu holen. Laut Michalski gehe es auch darum, den Mitarbeitern zu zeigen, dass sich Ideen nicht kannibalisieren. Gutes Beispiel: Die Einführung von E-Books bei Beuth habe der Buchreihe nicht geschadet. Und wie findet man heraus, was Kunden wirklich wollen? Laut Olavarria kommt man hier entweder über den klassischen Weg der Fokusgruppen zum Ziel oder mit dem so genannten „Shadowing“, indem man den Kunden bei bestimmten Arbeitsprozessen begleite und beobachte. Wege, die diverse Fachverlage schon beschreiten, um Kundenbedürfnisse wirklich zu erfassen und passende Angebote zu entwickeln.
Weitere Informationen zu den VDZ-Zeitschriftentagen gibt es hier.