Digital Rights Management – Fluch oder Segen?
Für viele Anwender ein rotes Tuch, für die Medienmacher oftmals auf den ersten Blick die Lösung aller Probleme. Kaum ein Thema beschäftigt die Medien ähnlich wie das Digital Rights Management (DRM) mit seinen mannigfachen Ausprägungen. Dabei zieht sich das Thema durch alle Publikationswege, sei es nun in der Form von Video-, Audio-, Software- oder Dokumentenschutz.
Gerade der Dokumentenschutz ist vielleicht der erste gedankliche Einstieg für uns als Fachpresse. Denn der Schutz des geschriebenen Wortes auf dem Weg in die digitale Welt ist sicher das, was uns als Erstes einfällt. Allerdings würden wir zu kurz greifen, wenn das Thema damit aus unserer Sicht bereits erledigt wäre. Wir erschließen in letzter Zeit immer mehr Informationskanäle, die vor wenigen Jahren gedanklich noch völlig außen vor waren.
Web-TV, Audio-Broadcasts, Hörbücher, Online-Seminarveranstaltungen – auch hier stellt sich die Frage, wie wir mit dem Schutz geistigen Eigentums umgehen wollen, was überhaupt machbar ist. Dabei sollten wir uns nicht allein von der Frage steuern lassen, was geht. Denn manches, was technisch gehen mag, selbst wenn es nach heutigem Stand der Dinge technisch „ausgereift“ erscheint, ist in der öffentlichen Wahrnehmung heute bereits nicht mehr akzeptiert. Und der Ruf nach DRM-freien Inhalten erfolgt bei weitem nicht nur von der Seite der Nutzer, in deren Ruf direkt das Missbrauchs-Interesse zu hören ist.
Vielmehr sehen sich heute viele rechtstreue Nutzer in der Ausübung ihrer legitimen Nutzungsrechte durch DRM gehindert und nehmen von der Nutzung solchermaßen geschützter Inhalte Abstand. Am erst kürzlich durch die Medien gegangenen Beispiel des Anbieters Yahoo!, der seinen Musikdienst Yahoo!Music einstellt und die zugehörigen DRM-Server zum 1. Oktober 2008 abschalten wird, zeigt sich der wirtschaftliche, aber auch der Imageschaden, der mit der nicht bis zu Ende gedachten Umsetzung eines DRM-Systems verbunden sein kann.
Grund genug, dass sich die Deutsche Fachpresse etwas intensiver mit dem Thema beschäftigt. Vor dem Hintergrund hat nun dieses Jahr die Kommission Online im Rahmen einer Blitzumfrage den aktuellen Meinungsstand zum Thema bei den Mitgliedsverlagen abgefragt.
Die Resonanz auf die Umfrage war sehr durchwachsen. Ein klares Meinungsbild zeichnet sich heute – wie zu erwarten – nicht ab, so kontrovers wie die Diskussion in der Öffentlichkeit waren auch die Meinungen der Teilnehmer der Umfrage. Eine Empfehlung kann man nicht pauschal aussprechen. Auch kann man nicht pauschal vom Einsatz von DRM abraten, es kommt entscheidend auf den Einzelfall, auf das Geschäftsmodell und auf die Sensibilität der Zielgruppe für das Thema an. Die Kommission Online hat das Thema DRM in einer aktuellen Präsentation aufgegriffen und gibt in dieser Präsentation einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand, Schutzverfahren, Einsatzbereiche aber auch die mit dem Einsatz verbundenen Risiken, Angriffspunkte und – last but not least – Alternativen.
Weitere Informationen bietet folgende Präsentation von Thomas Lennartz, Verlag Neue Wirtschafts-Briefe: